Nach zwei Tagen in Nepals Hauptstadt Kathmandu, ging es am 27. September 2019 mit zwei abenteuerlichen Inlandsflügen über Nepalgunj nach Jupal, einem kleinem Bergdorf im Dolpo/Nordwesten Nepals. Unser erfahrenes und eingespieltes Expeditionsteam (Beni Böhm, Schorsch Nickaes und "Much" Hasenknopf) wurde dieses Jahr durch meinen Bergkameraden Dr. Gerhard Steinberg und Alessandro d'Emilia, einem professionellen Kameramann aus Italien ergänzt, so dass wir eine leistungsstarke aber auch flexible Mannschaft mit verschiedenen Seilschaftskombinationen für den Gipfelsturm waren.

Der diesjährige starke Monsun bescherte uns anfangs noch eher durchwachsene Tage, aber pünktlich zum Anmarsch ins 70km entfernte Basecamp auf 4900m stabilisierte sich das Wetter und meist schien die Sonne von einem wolkenlosen Himmel und das bei spätsommerlichen Temperaturen. So ging es in fünf Tagen von Dunai bis ins Basecamp auf der Nordostseite des Putha Hiunchuli.

Die geplante Gipfelstrategie war, dass wir zwei Hochlager einrichten wollten, Camp 1 am Gletscherbeginn auf ca. 5450m, dass uns als Materialdepot für die Ski- und Gletscherausrüstung dienen sollte und das Camp 2 auf 6250m, von wo aus am Gipfeltag gestartet werden sollte.

Für die perfekte Höhenanpassung hatten wir insgesamt 10 Tage Zeit um uns oberhalb vom Basecamp am Dhaulagiri VII zu aklimatisieren. Neben dem eigenen Befinden wurde auch täglich die Sauerstoffsättigung bei uns allen gemessen, um den aktuellen Stand der Höhenanpassung sehen zu können. Am Morgen des 10. Oktober machte ich mich mit Gerhard auf den Weg nach Camp 2 um tagsdrauf einen Gipfelversuch zu wagen. Wir hatten beide schon eine ganz passable Höhenanpassung und die Wetterprognose war sehr vielversprechend. Nach einer kalten und schlaflosen Nacht auf Camp 2 machten wir uns am 11. Oktober 2019 gegen 07:00 Uhr auf dem Weg zum 7248m hohen Putha Hiunchuli. Der Nordostanstieg bekommt schon früh Sonne, so dass die Spurarbeit mit gefühlten 1000 Spitzkehren bei erträglichen Temperaturen und passablen Windverhältnissen Richtung einem Sattel auf 7050m erfolgte. Auf den dann letzten 200hm des Gipfelgrates waren die Schneeverhältnisse so hart und windverpresst, dass die Ski an den Rucksack geschnallt wurden und es mit Steigeisen weiterging. Da der Putha Hiunchuli als westlichster Gipfel der Dhaulagiri-Kette den Höhenstürmen aus meist westlichen Richtungen schutzlos ausgeliefert ist, empfing uns am Grat dann doch noch ein ordentlicher Sturm. Nach gut vier Stunden ab Camp 2 erreichten wir ziemlich erschöpft aber glücklich den Gipfel des Putha Hiunchuli. Der 360° Rundblick am Gipfel war überwältigend und nach ausgiebiger Gipfelrast ging es im windverpressten Bruchharsch mit dem neuen Dynafit Blacklight Pro Rennski über Camp 2 und Camp 1 wieder bis ins Basecamp. Dort wurden wir schon mit warmen Tee vom Team von Wildyakexpeditions erwartet.

Der Rest des Teams hatten den 15.Oktober 2019 als Gipfeltag (siehe auch) Dynafit Expedition in Nepal fixiert und waren ebenfalls bei ähnlichen Bedingungen erfolgreich am Gipfel des Putha Hiunchuli. Es war eine perfekt organisierte Expedition zu einem genialen Skiberg in der traumhaften Dolpo-Region im wahrscheinlich ruhigsten und ursprünglichsten Teil von Nepal. Das ganze Team hat perfekt harmoniert und verschont von Krankheiten, Verletzungen etc. haben wir nach einem kurzen Aufenthalt in Kathmandu die Heimreis nach Europa angetreten.